Über das Projekt

The Maoist Legacy: Party Dictatorship, Transitional Justice and the Politics of Truth

 

Das Jahr 1978 markiert einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte des modernen China. Trotz der zahllosen Opfer, welche die unter Führung Mao Zedongs durchgeführten Massenkampagnen gefordert hatten, gelang es der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) ihr Herrschaftsmonopol zu bewahren. Die Partei unternahm in der Folge eine Reihe von Reformbestrebungen, die seither zum bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufstieg der VR China geführt haben. Wie jedoch ging die KPCh mit dem Vermächtnis der Gräueltaten um, die unter maoistischer Führung begangen worden waren?

Auf Ebene der politischen Eliten distanzierte sich die Partei vom „Spät-Maoismus“ und insbesondere von der Kulturrevolution, welche als Abkehr vom “korrekten” kommunistischen Entwicklungspfad dargestellt wurde. Die Schuld hierfür wurde auf einige wenige “Intriganten” projiziert, v.a. auf die sogenannte „Viererbande“ und die „Lin Biao-Clique“. Auf diesem Weg sollten zermürbende Schulddebatten und Diskussionen über die Legitimität des Regimes in der Öffentlichkeit vermieden werden. Dennoch kam die Partei nicht umhin, sich in Form von Millionen von „ungerechten, fabrizierten und falschen“ Altfällen mit dem maoistischen Erbe auseinanderzusetzen.

Im Zentrum dieses Projektes steht die Frage, auf welche Weise sich die KPCh gestützt auf Justiz und Verwaltung mit dem Erbe der maoistischen Ära auseinandersetzte. Dabei werden die Strafverfolgungen von Tätern und Opferrehabilitationen als Beispiel einer in der Literatur zumeist übersehenen „Übergangsjustiz“ bewertet. Das primäre Ziel war jedoch nicht Gerechtigkeit, sondern Machterhalt.

Das Projektteam erforscht vier Teilbereiche: Erstens, es analysiert die Standards, Institutionen und Prozesse mittels derer historische Gerechtigkeit hergestellt werden sollte. Zweitens, es werden mit Hilfe von Fallstudien regionale Unterschiede in der Umsetzung der Maßnahmen herausgearbeitet. Diese sollen, drittens, zu erklären helfen, welche Rolle die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in Hinblick auf die Systemstabilität hatte. Und schließlich werden, viertens, die zugrundliegenden Dokumente und Daten in Form einer elektronischen Datenbank für die zukünftige wissenschaftliche Erforschung der Periode nutzbar gemacht.